Entnahmeplan – wie lange reicht mein Vermögen im Ruhestand wirklich?
Ein angespartes Vermögen ist die eine Hälfte der Rechnung. Die andere, oft unterschätzte Hälfte: Wie lange reicht es, wenn du anfängst, regelmäßig davon zu leben? Die Antwort hängt von mehr ab als nur der Höhe des Kapitals. Die einfache, aber trügerische Rechnung Wer 600.000 € angespart hat und 2.000 € im Monat entnimmt, könnte naiv…
Ein angespartes Vermögen ist die eine Hälfte der Rechnung. Die andere, oft unterschätzte Hälfte: Wie lange reicht es, wenn du anfängst, regelmäßig davon zu leben? Die Antwort hängt von mehr ab als nur der Höhe des Kapitals.
Die einfache, aber trügerische Rechnung
Wer 600.000 € angespart hat und 2.000 € im Monat entnimmt, könnte naiv rechnen: 600.000 ÷ 24.000 = 25 Jahre. Das stimmt nur, wenn das Geld währenddessen nicht mehr arbeitet. Bleibt das Kapital investiert und wächst weiter, kann dieselbe Entnahme deutlich länger reichen – unter Umständen sogar unbegrenzt, wenn die Entnahme unter der langfristigen realen Rendite bleibt.
Der Unterschied, den Inflation macht
Hier liegt der Haken, den viele einfache Entnahmerechner übersehen: Eine fixe Entnahme von 2.000 € verliert über die Jahre an Kaufkraft, genau wie jedes andere unverzinste Geld. Passt du die Entnahme dagegen jährlich an die Inflation an, damit deine Kaufkraft konstant bleibt, steigt die nominale Auszahlung Jahr für Jahr – und das Kapital wird dadurch schneller aufgebraucht, als es bei einer fixen Summe der Fall wäre. Es gibt hier keinen kostenlosen Vorteil: Konstante Kaufkraft und lange Reichweite des Kapitals stehen in einem echten Zielkonflikt.
Das Sequence-of-Returns-Risiko
Ein Punkt, der in den meisten einfachen Modellrechnungen komplett fehlt: Es kommt nicht nur auf die durchschnittliche Rendite über die Jahre an, sondern auch auf die Reihenfolge. Ein Portfolio, das in den ersten Jahren der Entnahmephase eine schlechte Börsenphase erwischt, kann deutlich schneller aufgebraucht sein als eines mit derselben Durchschnittsrendite, bei dem die schlechten Jahre später kommen – weil in schlechten Jahren mehr Anteile verkauft werden müssen, um denselben Betrag zu entnehmen. Modellrechnungen mit konstanter Durchschnittsrendite zeigen dieses Risiko nicht, sie sind ein vereinfachtes Bild.
Die Steuer nicht vergessen
Auf die Gewinnanteile deiner Entnahmen fällt Steuer an – KESt in Österreich, Abgeltungsteuer plus Soli in Deutschland. Wie viel davon steuerpflichtig ist, hängt davon ab, wie viel deines entnommenen Kapitals ursprünglich eingezahlt wurde (die sogenannte Kostenbasis) und wie viel davon Gewinn ist. Wer nur mit dem Bruttobetrag plant, überschätzt regelmäßig, was tatsächlich netto ankommt.
Alle drei Faktoren zusammen rechnen
Kapitalwachstum, Inflationsanpassung und Steuer beeinflussen sich gegenseitig – wer nur einen Faktor betrachtet, bekommt ein unvollständiges Bild. Unser Sparplan-Rechner bildet die komplette Entnahmephase ab: Du gibst deine gewünschte monatliche oder jährliche Entnahme ein, entscheidest, ob sie an die Inflation angepasst werden soll, und siehst direkt, wie viele Jahre dein Kapital voraussichtlich reicht – inklusive Warnhinweis zum Sequence-of-Returns-Risiko, wenn die Rechnung eine unbegrenzte Reichweite ausweist.
Keine Anlageberatung. Diese Rechnung basiert auf einer konstanten angenommenen Rendite ohne Kursschwankungen – die Realität verläuft nie so glatt, besonders zu Beginn der Entnahmephase.