Wie viel Netto bleibt vom Bonus? Der Jahressechstel-Trick erklärt
Eine Prämie von 5.000 € klingt nach 5.000 € – bis die Lohnverrechnung fertig ist. Je nachdem, wann im Jahr sie ausgezahlt wird, bleiben davon spürbar unterschiedliche Beträge übrig. Der Grund heißt Jahressechstel, und wer ihn versteht, kann bei der Wahl des Auszahlungszeitpunkts mitreden. Was ist das Jahressechstel? Sonstige Bezüge – dazu zählen 13. und…
Eine Prämie von 5.000 € klingt nach 5.000 € – bis die Lohnverrechnung fertig ist. Je nachdem, wann im Jahr sie ausgezahlt wird, bleiben davon spürbar unterschiedliche Beträge übrig. Der Grund heißt Jahressechstel, und wer ihn versteht, kann bei der Wahl des Auszahlungszeitpunkts mitreden.
Was ist das Jahressechstel?
Sonstige Bezüge – dazu zählen 13. und 14. Gehalt, aber auch Prämien und Boni – werden in Österreich nicht wie normales Gehalt zum vollen Steuertarif versteuert. Bis zu einem Sechstel deines Jahresbruttogehalts wird stattdessen nur mit 6 % besteuert, abzüglich eines Freibetrags von 620 €. Das Jahressechstel entspricht rechnerisch ungefähr zwei Monatsgehältern – kein Zufall, denn genau dafür wurde die Regelung ursprünglich geschaffen: für 13. und 14. Gehalt.
Warum der Auszahlungsmonat den Unterschied macht
Das Sechstel ist keine fixe Zahl, die einmal im Jahr feststeht – es wird zum Zeitpunkt jeder Auszahlung neu berechnet, auf Basis des bis dahin verdienten laufenden Gehalts. Wird eine Prämie im März ausgezahlt, ist noch fast das gesamte Sechstel verfügbar. Wird sie im Dezember ausgezahlt, nachdem Urlaubs- und Weihnachtsgeld bereits geflossen sind, ist es meist schon aufgebraucht – und der übersteigende Teil der Prämie wird zum vollen Grenzsteuersatz versteuert, im ungünstigsten Fall mit bis zu 55 %.
Ein Rechenbeispiel: Bei 3.500 € Monatsbrutto und bereits ausbezahltem 13. und 14. Gehalt ist das Jahressechstel de facto ausgeschöpft. Eine im November ausgezahlte Prämie von 5.000 € würde dann fast vollständig zum Grenzsteuersatz besteuert – bei einer im Februar ausgezahlten Prämie wäre ein erheblicher Teil noch mit den begünstigten 6 % versteuert.
Der Haken: das Kontrollsechstel
Hier hört der Vorteil einer frühen Auszahlung allerdings auf, ein dauerhafter zu sein. Am Jahresende prüft dein Arbeitgeber verpflichtend, ob deine gesamten sonstigen Bezüge über das Jahr das tatsächliche Jahressechstel überschritten haben. Ist das der Fall, wird der übersteigende Teil im Rahmen der Aufrollung nachversteuert – unabhängig davon, wann er ursprünglich ausgezahlt wurde. Eine frühe Auszahlung verschafft dir also in erster Linie einen Liquiditätsvorteil während des Jahres, keine automatische dauerhafte Ersparnis, wenn deine sonstigen Bezüge insgesamt das Sechstel übersteigen.
Wann sich das wirklich auszahlt
Der Effekt ist am größten, wenn deine sonstigen Bezüge übers Jahr gerechnet unter dem Jahressechstel bleiben – dann bleibt die günstige 6-%-Besteuerung tatsächlich bestehen, unabhängig vom Kontrollsechstel. Hast du bei der Auszahlung deiner Prämie ein Mitspracherecht (zum Beispiel bei einer freiwilligen Bonuszahlung), lohnt sich der Blick auf den Kalender.
Selbst nachrechnen
Unser Brutto-Netto-Rechner ist der einzige uns bekannte Rechner, mit dem du den Auszahlungsmonat einer Prämie frei wählen und direkt sehen kannst, wie viel davon begünstigt und wie viel zum vollen Tarif versteuert wird – inklusive Warnhinweis, wenn das Kontrollsechstel greift.
Keine Lohnverrechnungsberatung. Familienbonus Plus, Sachbezüge und Freibetragsbescheide sind hier nicht berücksichtigt.